Karibische Korallenriffe vor Overkill
80 Prozent Rückgänge in den vergangenen 30 Jahren
04.03. Die Korallenriffe in der Karibik sind
in den vergangenen 30 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Zu diesem
Schluss kommt ein Wissenschaftsteam der Universität von East Anglia (UEA)
und dem Tyndall Centre for Climate Change Research. Die Forscher sehen
nicht die Zunahme der Temperaturen als Hauptursache, sondern
Überfischung, Umweltverschmutzung, Sedimenteintrag nach Abholzungen und
Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, berichten die Forscher im
Wissenschaftsmagazin Science Express.
Seit 1975 hat sich die Situation keineswegs verbessert, so der Tenor der
Untersuchungen. In einigen Gebieten haben sich die Bestände zwar erholt
und neue Korallenstöcke wachsen wieder. Die Forscher zweifeln aber daran,
dass die nachwachsenden Korallenstöcke der Zerstörung standhalten.
Besonders stark vom Rückgang sind Stein- und Hartkorallen betroffen. In
der gesamten Region sind diese um 80 Prozent zurückgegangen.
Steinkorallen sind genau jene Riffbildner, die Inseln vor der Gewalt des
offenen Ozeans schützen. Sie sind auch die Hauptkomponenten eines Riffs.
Die Forscher hatten 65 Einzelstudien an 263 Untersuchungspunkten
zusammengefasst und kommen zum Schluss, dass lokale Ursachen in der
gesamten Region zum Sterben der Korallen geführt haben.
Die Wissenschaftler betonen, dass das Verschwinden der Riffe nicht nur
für den Tourismus katastrophale Auswirkungen hat, sondern auch für die
lokale Rifffischerei und den mangelnden Schutz vor Hurrikanes. Das größte
Korallensterben setzte in den 80-er Jahren ein. Eine signifikante
Verbesserung ist den Wissenschaftlern aber nicht aufgefallen. "Die
einzigen guten Nachrichten sind die, dass in bestimmten Regionen die
Korallen wieder nachwachsen", so Isabelle Cote, Meeres-Ökologin und
Spezialistin für tropische Regionen von der UEA. Negativ sei aber, dass
sich die neuen Korallen von den ursprünglichen unterscheiden. "Es ist
nicht bekannt wie die neuen Korallenstöcke auf die jetzigen
Umweltbedingungen mit wärmeren Temperaturen und höheren Meeresspiegeln
reagieren", so die Expertin. Die Zusammenhänge der Riffökologie sind den
Experten nicht ganz klar. 1983/84 kam es in der Region zu einem massiven
Sterben von Seeigeln. Das führte auch zu einem erhöhten Korallensterben.
"Wir sind uns fast sicher, dass das Pathogen, das zum Massensterben der
Seeigel geführt hat, auch die Korallen vergiftet hat", so Cote. Seeigel
ernähren sich von Algen, die in einem gewissen Überlebenskampf mit den
Korallen stehen.
Besonders stark vom Korallensterben bedroht sind die Gewässer um Florida,
Jamaika und die Cayman Islands, Puerto Rico und die Küste vor Venezuela,
der mexikanischen Halbinsel Yucatan und Belize. Auch die nördlichen und
südlichen Kleinen Antillen sind vom Korallensterben nicht verschont
geblieben.
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