Wenn der Nachwuchs ausbleibt
Männer zum Schilddrüsen-Test?
11.03. Trotz aller Bemühungen wartet das junge Paar vergeblich auf Nachwuchs. Macht ihnen vielleicht eine aufmüpfige Schilddrüse den Strich durch die Rechnung? Zumindest bei der Frau ist das durchaus denkbar. Doch wie steht es eigentlich mit den Männern? Haben auch sie mitunter das Zeugungs-Problem "am Hals"? Eine funktionsgestörte Schilddrüse kann der Frau anovulatorische Zyklen bescheren und damit ganz schön in die Familienplanung pfuschen.

Beim Mann hingegen ist über Zusammenhänge zwischen thyroidaler Erkrankung und Fertiliätssproblemen bisher nichts bekannt. Dr. Harald Trummer, Urologische Universitätsklinik Graz, und Kollegen nutzten ihre geographische Lage im Kropf-Eldorado Steiermark und fühlten dem Problem auf den Zahn. Mehr als 300 Männer, die sich seit mehr als einem Jahr vergeblich um Nachwuchs bemühten, nahmen an der Studie teil. Eine organische Ursache für die Fertilitätsstörung (z.B. Hodenatrophie, Kryptorchismus, Varikozele) wies keiner von ihnen auf. Eine Spermiogramm wurde erstellt, Sexualhormone, Schilddrüsenhormone und Schilddrüsenantikörper untersucht. Man war gespannt auf die Korrelation zwischen Ejakulatparametern und Schilddrüsenwerten, wie der Kollege beim internationalen Grazer Andrologie-Symposion berichtete.

Bei zehn Männern ermittelte man ein pathologisches basales TSH: neunmal eine latente Hypothyreose, einmal eine latente Hyperthyreose. Das freie Thyroxin (fT4) war in je zwölf Fällen erhöht bzw. erniedrigt. Knapp 60% der Studienteilnehmer wiesen ein pathologisches Spermiogramm auf. Eine eindeutige Korrelation der schlechten Ejakulatparameter zu den Hormonwerten fand sich jedoch nicht. Anders verhielt es sich mit den Schilddrüsen-Antikörpern, die bei immerhin 21 der Probanden (6,9%) im Serum umherschwirrten. Korrelationen fanden sich zwischen Peroxidase-Antikörpern (TPO) und Asthenozoospermie sowie TPO und pathologischem Spermiogramm.

Schilddrüsenfunktionsstörungen sind bei Männern mit Fertilitätsstörungen insgesamt selten, fasste Dr. Trummer zusammen. Da Funktionsstörungen offenbar keinen Einfluss auf die Zeugungskraft haben, und der Befund TPO-positiv keine spezifische Therapie nach sich zieht, kann die routinemäßige Schilddrüsenabklärung bei diesen Patienten derzeit nicht empfohlen werden, so der Grazer Kollege.


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