Jede dritte junge Frau hat keinen Spaß am Sex
Jetzt wollen Pharmafirmen auch Frauen beglücken
09.02. Sex ist der schönste Zeitvertreib der Welt - sollte man zumindest meinen. Doch die Zahlen berichten etwas anderes:
Mehr als 40 Prozent aller Frauen haben Probleme im Bett, meldet die größte US-Sex-Studie seit dem legendären Kinsey-Report
von 1948. Jede dritte junge Frau der 4.000 Befragten gab an, keinen Spaß am Sex zu haben. Während Mann sich mit Potenzpillen
wie Viagra, Uprima oder Ixense auf die Sprünge helfen kann, kuckt Frau in die Röhre. "Frauen klagen oft, dass sie keinen
Orgasmus bekommen oder Scheidenkrämpfe haben", weiß Ulrike Brandenburg, Leiterin der Sexualwissenschaftlichen Ambulanz
an der Uniklinik in Aachen.
"Woher diese Störungen kommen, ist aber noch unklar", sagte die Expertin im Gespräch. Female Sexual
Dysfunction (FSD) nennen Mediziner die sexuellen Probleme der Frauen. Wegen der mangelnden Erregung bleibe beim
Sex die Scheide trocken, und Klitoris und Schamlippen füllten sich nicht mir Blut. Auch ein hoher Cholesterinspiegel,
Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen kommen als Ursachen in Frage.
Diese Symptome wollen Pharmafirmen nun mit einem Pendent zu Viagra behandeln. Von der Idee, FSD einfach per Pille zu
behandeln, hält Sexualforscherin Brandenburg nicht viel: "Sexualität lässt sich nicht auf Durchblutungseigenschaften der
Genitalien reduzieren." Der Körper einer Frau funktioniere schließlich anders als der eines Mannes. Wissenschaftler
suchen nun nach anderen Möglichkeiten, Frauen zu ihrem sexuellen Glück zu verhelfen. Und forschen deshalb am
eigentlichen Lustorgan des Menschen - dem Gehirn.
Mit einer Masse von drei Pfund und mit einem Netzwerk von 100 Milliarden Nervenzellen ist es das größte Sexualorgan.
Es steuert Erregung, Emotionen und Lust und ist sogar fähig, auch ohne den Einfluss äußerer Reize erotische Phantasien
auszulösen. Zudem übernimmt die Liebes-Zentrale im Kopf die Regulation der Hormone, die maßgeblich an unserem
Sexualverhalten beteiligt sind. "Was im Gehirn genau passiert liegt noch im Dunkeln", sagt Brandenburg.
Es sei aber bekannt, dass der eigentliche Zünder der Lust im Belohnungszentrum des Gehirns, dem so genannten
limbischen System, liegt. Sexualhormone wie Testosteron oder Östrogen aktivieren dort Nervenzellen, die für
Libido und Erregung zuständig sind. Auch Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin spielen im Liebescocktail eine
wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass die Reize an die Geschlechtsorgane weitergeleitet werden.
Noch können Forscher
in diesen Ablauf nicht gezielt eingreifen. Denn Potenzmittel, so Brandenburg, seien eher
Zufallsprodukte. Erst kürzlich stieß ein US-Pharmakonzern
auf die Substanz VML 670. Das Produkt sollte
zuerst gegen Übelkeit helfen und als Antidepressivum wirken. Doch die Versuchstiere zeigten vor allem eine sprunghaft
gestiegene Paarungsbereitschaft. Die Pharmafirma reagierte schnell: Statt VML 670 als Antidepressivum auf den Markt zu
bringen, wird es nun als Lustmittel angepriesen – und zwar für Frauen und Männer die von Depressionen geplagt werden.
Ähnlich verlief die Entdeckung des Hormons alpha-MSH. Die Mediziner des Krebszentrums in Arizona suchten eigentlich nach
einem Mittel, das die Haut ohne Sonneneinstrahlung bräunt. Versuchsteilnehmer, die als impotent galten,
bekamen spontane Erektionen. Mittlerweile befindet sich ein lustförderndes Nasenspray, dass das Hormon enthält,
in der klinischen Studie. Es soll auch bei Frauen wirken. "Es dauert aber noch Jahre, bis Potenzmittel für
Frauen auf den Markt kommen", prophezeit Brandenburg, "wir suchen noch nach dem ultimativen Lust-Knopf."
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