Kosmische Strahlung verantwortlich für Treibhauseffekt
Wasserkreislauf ist Klimatreiber Nummer Eins
23.05. Wissenschaftler der Ruhr-Universität
Bochum und der Hebrew University in
Jerusalem haben Beweise gefunden, dass kosmische Strahlung (cosmic ray
flux, CRF) der Hauptmotor der Erwärmung und Abkühlung der Erde sein
könnte. Bei ihrem Auftreffen auf die Erdatmosphäre beeinflusst sie die
Wolkenbildung und dadurch den Wasserkreislauf der Erde. Die beiden
Forscher haben die Klimadaten der letzten 600 Mio. Jahre mit der
Intensität der kosmischen Strahlung in dieser Zeit untersucht und eine
übereinstimmende Periodizität gefunden, berichten sie in der
Fachzeitschrift der Geological Society of America "GSA Today".
Nach den jüngsten Erkenntnissen der beiden Forscher, dem Bochumer
Geologen Jan Veizer und dem israelischen Astrophysiker Nir J. Shaviv,
sind zwei Drittel der Temperaturschwankungen auf der Erde durch die
kosmische Strahlung erklärbar. "Das Klima auf der Erde wird durch viele
verschiedene Faktoren beeinflusst, die in verschiedenen großen und
kleinen, sichtbaren und unsichtbaren Kreisläufen voneinander abhängen",
erklärt Veizer. Bisherige Klimamodelle betrachteten oft kleine Zyklen,
ohne größere zu berücksichtigen. "Wir dürfen keinen statischen
Hintergrund für irdische Zyklen annehmen", führt der Experte aus, der bei
seinen Berechnungen die vergangenen 4,5 Mrd. Jahre bis an den Anfang
unseres Sonnensystems mit ein bezog. Der Forscher untersuchte das
Erdklima und die Zusammensetzung der Atmosphäre anhand von Sedimenten wie
Kohlen und Salzen, Fossilien und so genannten Drop Stones, das sind
Steine, die in Kälteperioden in Eisbergen eingeschlossen Richtung Äquator
wanderten und beim Schmelzen des Eises zu Boden sanken. "Je näher am
Äquator diese Drop Stones zu finden sind, desto kälter muss das Klima
gewesen sein", führt der Wissenschaftler aus.
Das Ergebnis der Untersuchungen war, dass sich das Klima auf der Erde im
Rhythmus von ca. 140 Mio. Jahren zyklisch erwärmt und abgekühlt hat. Der
Kontakt mit dem Astrophysiker Shaviv brachte Veizer auf eine neue Spur,
denn der israelische Forscher hat den Einfall kosmischer Strahlung auf
die Erde für die letzten 600 Mio. Jahre untersucht. Dabei hatte er eine
Zyklizität festgestellt, die mit der des Erdklimas übereinstimmte. In
Experimenten in Gaskammern zeigte sich, dass Strahlungspartikel beim
Auftreffen auf das Gas auf bisher nicht ganz geklärte Weise so genannte
Keime erzeugen, die zur Kondensation und somit zur Wolkenbildung im Gas
führen. Diese Kausalität steht in Einklang mit den Ergebnissen von
Satellitenbeobachtungen der letzten Jahre.
Diese Unterschiede allein sind aber zu schwach, um die Klimaschwankungen
zu erklären. Verstärkt werden diese aber dadurch, dass bei größerer
Sonnenaktivität auch das Magnetfeld der Sonne wächst und kosmische
Strahlung von der Erde weglenkt. Es treffen dann weniger kosmische
Partikel auf die Atmosphäre, es entwickeln sich weniger Wolken und es
wird wärmer. Diese neuen Funde belegen die große Bedeutung des
Wasserkreislaufs als Klimafaktor und stellen die weitverbreitete Annahme
infrage, dass CO2 die treibende Kraft der Erderwärmung sei. "Der Fall
liegt umgekehrt", so Veizer, "CO2 reitet quasi Huckepack auf dem
Wasserkreislauf, denn bei der Photosynthese müssen Pflanzen fast 1.000
Wassermoleküle ausatmen, um ein einziges CO2-Molekül aufzunehmen." Wenn
es wärmer wird, beschleunigt sich der Wasserkreislauf, die
Bioproduktivität erhöht sich, Bodenorganismen atmen vermehrt CO2 aus.
Eisbohrungen zeigten, dass in Phasen der Erwärmung der CO2-Gehalt der
Luft erst rund 800 Jahre nach dem Temperaturanstieg wuchs. Der Bochumer
Forscher meint aber dennoch, dass CO2 ein Treibhaus-verstärkender Faktor
sein könnte.
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