Molekularer Schalter entscheidet über Fettsucht
Genveränderte Mäuse können fressen und dennoch Gewicht verlieren
16.11. Forscher der Rockefeller University und der University of Wisconsin, Madison,
haben einen Gen-Schalter entdeckt, der den Fettaufbau im
Körper reguliert. Dieses Gen für das Enzym namens SCD-1 spielt eine
zentrale Rolle bei der Entscheidung, ob der Körper Fett speichert oder
abbaut. Der Schalter selbst wiederum wird von dem Hormon Leptin
wesentlich beeinflusst. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Entdeckung
zu einer neuen Therapie gegen Fettsucht und gegen die so genannte
Fettleber führt.
Leptin blockiert das Gen und damit die Herstellung des Enzyms SCD- 1 in
der Leber. Fehlt das Enzym, können bestimmte Fettsäuren nicht produziert
werden. Dies bedeutet, dass der Körper weniger Fett aufbaut, berichten
die Wissenschaftler um Jeffrey M. Friedman von der Rockefeller
Universität im Fachmagazin Science.
Genveränderte Mäuse, denen das Hormon Leptin und das SCD1-Enzym fehlte,
hatten 40 Prozent weniger Fett im Körper als jene Versuchstiere, denen
lediglich Leptin fehlte. "Mäuse, denen Leptin und SCD-1fehlte,
verbrannten mehr Fett. Es steigerte sich der Energieverbrauch und der
Gewichtsverlust, obwohl die Tiere ihre Fressgewohnheiten nicht änderten",
so Cohen. "SCD-1 scheint aller Anschein nach ein wichtiger Kontrollpunkt
zu sein und könnte wie ein Schalter funktionieren, der entscheidet, ob
Fett gespeichert oder verbrannt wird", ergänzte Friedman.
Die Bedeutung von Leptin als Appetitzügler ist bereits bekannt. "Leptin
verursacht eine Gewichtsabnahme, da es die Nahrungsaufnahme vermindert
und gleichzeitig den Energieverbrauch erhöht", so Cohen. Da Leptin die
Genaktivität von SCD-1 unterdrückt, regt es wahrscheinlich auch eine
biologische Reaktionskette an, die zur Fettverbrennung führt. Friedman
kann sich vorstellen, dass eine Veränderung der Aktivität dieser
wesentlichen Stoffwechselwege einen neuen therapeutischen Ansatz für die
Steigerung des Energieverbrauchs und die Erhöhung der Fettverbrennung
liefert.
Jenes Gen, das für Leptin codiert, wurde bereits 1994 in Friedmans Labor
entdeckt, das Hormon Leptin im folgenden Jahr. Der Name "Leptin" geht auf
das griechische "leptos", "dünn" zurück. Das Team um Friedman zeigte,
dass das Hormon quasi ein Signal für die Nahrungsaufnahme ist und das
Körpergewicht, den Metabolismus und andere physiologische Prozesse
reguliert. Für die neuen Erkenntnisse, dass Leptin die SCD-1-Aktivität
unterdrückt, entwickelte der Rockefeller-Forscher Nicholas Socci ein
Computerprogramm, um durch rund 6.500 Mäusegene auf einem einzigen
Gen-Chip zu navigieren. Die Suche war auf jene Gene gerichtet, die
speziell durch Leptin unterdrückt wurden.
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