Zahnersatz-Experten rufen zu mehr Prophylaxe auf
Jeder gesunde Zahn verbessert das Leben im Alter
01.01. "Erwachsene in Deutschland haben noch
immer kein zufriedenstellendes Verhältnis zur Mundhygiene", stellt Prof. Dr. Thomas Kerschbaum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) fest und erinnert an die Daten der vorgelegten Deutschen Mundgesundheitsstudie: "Bei der Bevölkerung
im Alter zwischen 35 und 44 Jahren konnte man im Durchschnitt bereits rund 4 fehlende Zähne feststellen, die fehlenden Weisheitszähne nicht mitgerechnet. Und bei den 65-74jährigen fehlen bereits fast 18. Im Alter
zwischen 45 und 65 gehen durchschnittlich 10 – 15 Zähne verloren!“
Dies sei vorrangig auf nicht ausreichende Mundhygiene zurückzuführen. Die
DGZPW als wissenschaftliche Vereinigung der Prothetik mit Aufgaben rund
um Forschung und Entwicklungen von Zahnersatz rufe daher dringend zu mehr
zahngesundheitsbewusstem Verhalten auf: "Viele Menschen verdrängen das
Älterwerden und auch, dass sie später einmal Zahnersatz benötigen
werden“, so Prof. Kerschbaum", -und sie wissen nicht, dass dieser umso
komfortabler und harmonischer sein wird, je mehr eigene Zähne vorhanden
sind. Es ist ein Irrglaube, dass man mit mehr Mundgesundheit Zahnersatz
komplett vermeiden kann – aber man kann ihn herausschieben ins höhere
Alter. In einem gesunden Mund mit vielen natürlichen Zähnen sind heute
Zahnersatz-Lösungen möglich, die sich in Form, Funktion und Aussehen der
Natur so anpassen, dass man sie kaum bis gar nicht wahrnimmt."
Vollprothesen, wie sie bei völliger Zahnlosigkeit notwendig seien, seien
schon immer eher eine Notlösung zur Erhaltung von Kau- und
Sprachfähigkeit gewesen und mit manchen Problemen behaftet – nicht
jedermann könne sich Zahnersatz erlauben, der auf einer Vielzahl von
Implantaten verankert sei, bei vielen Patienten reiche auch der
natürliche Knochen nicht mehr aus, um Implantate sicher zu befestigen.
Umso notwendiger sei regelmäßige frühzeitige Mundpflege und die
Beobachtung durch den Zahnarzt: "In unserer Studie ‘Bedarfsermittlung für
prothetische Leistungen in der Zahnheilkunde bis zum Jahr 2020’ konnten
wir feststellen, dass Erwachsene sich hinsichtlich ihrer Inanspruchnahme
zahnärztlicher Untersuchungen gerade mal an das gesetzlich vorgegebene
Maß von einmal jährlich halten – hätten wir diese Regelung mit ihrer
Auswirkung auf Krankenkassen-Zuschüsse zu Zahnersatz nicht, sähe die
Mundgesundheit in Deutschland vermutlich deutlich trister aus!"
Zwar habe die Mundgesundheits-Studie ergeben, dass sich das
Mundhygieneverhalten insgesamt etwas verbessert habe - eine gute
Mundhygiene sei aber nur bei rund 21% der 35-44jährigen und rund 13% der
65-74jährigen feststellbar gewesen. "Wir alle müssen uns klar machen", so
Prof. Kerschbaum, "dass unser durchschnittliches Lebensalter steigen
wird. Wir haben - anders als unsere Vorfahren - noch viele Jahre in hohem
Alter vor uns, in denen wir auch essen und kauen, sprechen und lachen und
aktiv im Kreise unserer Freunde und der Gesellschaft bleiben wollen." Je
mehr eigene Zähne in das Alter hinein gerettet werden könnten, umso mehr
steige auch die Chance für Lebensqualität und Lebensfreude: "Wir Experten
für Zahnersatz können bei den ‘Dritten’ immer bessere Werkstoffe, bessere
Tragefähigkeit und bessere Haltbarkeit bieten – unsere Möglichkeiten und
damit auch die Lebensqualität unserer Patienten steigt mit der Anzahl
gesunder eigener Zähne und sinkt bei Zahnlosigkeit. Daher unser Appell:
Jeder eigene Zahn wird noch lange gebraucht und sollte daher gepflegt
werden!"
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